Die größte Katastrophe im Leben einer Frau: Der Bad Hair Day

Es gibt im Leben einer Frau viele Katastrophen. Da bildet sich vor einem wichtigen Termin dieser leuchtend rot glühende Pickel auf dem Kinn, der selbst durch echtes Camouflagemakeup noch seine Signalwirkung entfaltet. Der Nagellack war doch noch nicht hart gewesen, als man die Handschuhe angezogen hat, und jetzt hat man ein interessantes Gittermuster auf der roten Pracht. Auch die klassische Laufmasche kann wirklich absolut Nerven kosten.

Ein Bluterguss, ein Sonnenbrand, wenn man doch auf der abendlichen Grillparty eigentlich mit sanfter Bräune prunken wollte, der verlorene Absatz, das Wasserglas, das ausgerechnet in die offene Handtasche stürzen muss, die geplatzte Hosennaht, die paar Kilo zu viel, das alles ist schon schlimm genug, aber man kann damit fertig werden. Irgendwas geht immer, um wieder in den Normalzustand zurück zu kommen. Nur beim Haar geht nichts, wenn es nicht will.

Der Supergau Bad Hair Day

Manchmal merke ich es schon beim Aufstehen, dass meine Haare und mich an diesem Tag eine innige Feindschaft verbindet. Der erste Blick in den Spiegel kündigt die Katastrophe an: Heute wollen sie nicht so, wie ich es will, sondern entwickeln ein gehässiges Eigenleben. Und sie widerstehen hartnäckig allen Gegenmaßnahmen, wahrscheinlich würde nur eine Komplettrasur Abhilfe schaffen.

Dennoch versuche ich es immer wieder. Ich wasche sie ausdauernd und liebevoll, verpasse ihnen eine sündhaft teure Kur und belästige sie nicht mit einem zu heißen Föhn. Das lässt sie jedoch völlig unbeeindruckt – jeder Versuch, sie in meine gewohnte Frisur zu bringen, scheitert kläglich.

Es ist kein Schwung hinein zu bringen, sie fallen schlapp in sich zusammen, kein Gel oder Haarspray hält sie dort, wo sie eigentlich liegen sollen. Trotz der Kur wirken sie stumpf, glanzlos und gleichen zu weich gekochten Spaghetti. Und da ich leider keine Hüte trage, habe ich keine Möglichkeit, dieses Grauen zu verbergen.

Der Killer fürs Selbstbewusstsein

An so einem Bad Hair Day merke ich immer wieder, dass mein Selbstbewusstsein (das ich sonst immer für durchaus stabil halte) dahin schmilzt wie Butter an der Sonne. In meinem Empfinden schweben über mir gigantische Leuchtpfeile, die hämisch auf meinen Kopf zeigen und die haarige Katastrophe anstrahlen. Ich glaube, dass mich jeder mit Abscheu und Ekel anstarrt, und ich würde mich am liebsten gar nicht aus dem Haus begeben.

Und nichts kann von den widerspenstigen Haaren ablenken. Selbst das tollste Outfit, das eleganteste Makeup und die grandiosesten Pumps aller Zeiten schaffen es nicht, das Selbstbewusstsein wieder auf sein normales Niveau zu heben. Man kann nur kummervoll den Tag durchleiden und hoffen, dass es bis zum nächsten Bad Hair Day sehr lange dauern wird.

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