Seit ich den Diäten abgeschworen habe und deshalb keine vorgefertigten Lightprodukte mehr esse, habe ich begonnen, mich für das Kochen zu interessieren. Nicht von heute auf morgen, aber der Gedanke kam mir zusehends öfter und ließ mich nicht mehr los.
Das ist eigentlich sehr verwunderlich, denn seit meiner Kindheit habe ich Kochen gehasst.
Küchenmagd für’s Grobe
Ich musste als eine der älteren Töchter meiner Mutter immer in der Küche helfen, war aber wegen meiner Kochunerfahrenheit dazu verdammt, Berge von Kartoffeln zu schälen oder Erbsen zu puhlen. Öde Fließbandarbeit, die wahrlich nicht für das Kochen begeistern konnte.
Also habe ich jahrelang munter die Regale mit den Fertigprodukten leer gekauft und eine Mikrowelle nach der anderen verschlissen. Und fand’s gut und praktisch. Das Zeug schmeckte mir, außerdem konnte man ja immer noch beim Chinesen oder Italiener etwas essen gehen.
Was die Lektüre eines einzigen Buches alles anrichten kann…
Und dann schlug das Schicksal zu und warf mir ein Buch in den Weg. Es ging um moderne, industriell gefertigte Lebensmittel und bewies, dass man hierbei nicht von gesunder oder bekömmlicher Ernährung sprechen konnte. Die verschiedenen Zusatzstoffe sowie das Ausgangsmaterial sind so degeneriert, dass sie wie im Fall des Glutamats sogar zu richtigen Krankheiten führen können.
Das war’s mit meiner Kochabstinenz. Ich habe versucht, diese für mich schrecklichen Informationen zu vergessen oder zu verdrängen, aber ich konnte mir auf Dauer leider nichts vormachen: die Art und Weise, wie ich mich ernährte, war so absolut nicht zu empfehlen.
Am Tag meiner Kapitulation ging ich in die nächste Buchhandlung und kaufte mir ein paar Kochbücher für blutige Anfänger – ich wusste ja noch nicht einmal, ob man das Ei in kaltes oder direkt in heißes Wasser gibt, wenn man es kochen will.
Selber Kochen macht tatsächlich Spaß!
Und zu meiner großen Verwunderung stellte ich fest, dass selber Kochen mir richtig Spaß machte. Der Einkauf auf dem Markt mit seinen Gerüchen und bunten Bildern, das Vorbereiten, Putzen und Schnippeln, während eine schöne CD läuft, und natürlich das Essen eines leckeren Gerichtes (wenn es denn geklappt hat), von dem man mit Stolz sagen kann, dass man es selbst zubereitet hat – all das möchte ich seither nicht mehr missen.
Bald tat ich mich mit einigen anderen Kochbegeisterten zusammen und entdeckte so den Spaß, den man beim gemeinsamen Kochen haben kann. Wir planen die Menus gemeinsam, jeder kauft etwas ein, und dann treffen wir uns reihum, um etwas Neues auszuprobieren. Ich habe mich dabei sogar schon zur Gemüsespezialistin gemausert und andere fragen mich um Rat – wie schmeichelhaft!
Teure Anfängefehler… bloß nicht nachmachen!
Als einzigen Nachteil meiner Lust am selber Kochen kann ich nur meine anfängliche Einkaufsorgie nennen. In meiner Küche herrschte ja neben der Mikrowelle eine gähnende Leere an Kochutensilien, weshalb ich mich voller Enthusiasmus in das nächste Haushaltswarengeschäft stürzte und von A bis Z alles einkaufte, von dem ich glaubte, man müsse es in einer gut ausgestatteten Küche unbedingt haben.
Deshalb fanden sich Dinge wie ein Spaghettimaß (als ob es eine gute alte Waage nicht auch täte!) oder ein spezieller Saucenprobierlöffel (??) kurzfristig in meinem Besitz – dafür hätte ich mir besser eine richtig gute Pfanne gekauft. Mittlerweile hat sich mein Bestand auf die Dinge reduziert, die ich wirklich brauche und regelmäßig benutze – und das ist mittlerweile fast täglich der Fall.
